Montag, 24. September 2007

Von Marktoberdorf nach Kempten

Der letzte Tag und wahrscheinlich letzte Etappe in diesem Jahr soll mich nach Kempten führen. Nocheinmal 28km. Zu meinem Erstaunen stelle ich fest:
Das Wetter ist wieder besser geworden und die Füße sind nicht schmerzfrei, aber es
wird täglich besser. Wahrscheinlich könnte ich jetzt noch ein paar Tage weiterlaufen.

Mein Ziel heute: ich möchte möglichst schnell nach Kempten um mit dem Zug noch rechtzeitig vor dem zu Bett gehen meiner Kinder in Müchen anzukommen.
So ähnlich ist auch die Strecke heute. Relativ unspektakulär ziehen sich die knapp 30km erst relativ lange an einer Bundesstraße dahin und dann schnurgerade durch als Forstweg durch einen Wald. Landschaftlich zwar ganz nett - aber inzwischen war ich doch etwas verwöhnt.

Was aber auffiel, die Bevölkerung setzte sich mit dem Thema Jakobsweg auseinander. Man wird ziemlich oft von Tafeln, kleinen Plastiken etc. als Pilger angesprochen.
Und ich habe einen weiteren Pilger getroffen. Wir begneten uns am Frühstückstisch und danach alle 10km. Er hies Kai, ist Risiko-Controller und geht den Weg zwischen 2 Jobs um etwas Abstand vom bisherigen Job zu bekommen. Ich vermute das ein Großteil der Menschen auf dem Weg genau dieses Motiv haben.
Sichtlich müde bin ich gegen 16 Uhr in Kempten und dank der Deutschen Bahn um 19 Uhr zuhause bei meiner Familie.

Fazit der Tour: Jederzeit wieder. Alleine die letzten 4 Tage war gefühlter Abstand vom Alltag mindestens 14 Tage Urlaubszeit.

Regen und eine Engelserscheinung: Von Lechbruck nach Marktoberdorf

Am folgenden Morgen geht es mir deutlich besser. Ausgeschlafen und frohen Mutes mache ich mich auf den Weg von Lechbruck nach Marktoberdorf.

Einziges Problem heute: es regnet. Es regnet sogar relativ heftig. Das Schöne daran:
endlich kann man die komplette Ausrüstung testen. Das weniger Schöne: Ich stelle fest das meine Ausrüstung einen längeren Landregen nicht wirklich lange standhält.

Trotzdem quäle ich mich auf den Auerberg, der ja einen sagenhaften Rundumblick bieten soll. Davon ist allerdings bei dem Wetter eigentlich nichts zu sehen. Erschöpft und durchnäßt erreiche ich die Berggastronomische Einheit und wärme mich bei Tee und Suppe. Neben der Nässe muss ich feststellen das es empfindlich kühl geworden ist.
Den Rest des Tages regnet es einfach genauso weiter. Alles an mir ist nass und tropft. Alle Kleidungsstücke habe ich einmal durchnässt. Es fehlen mir noch ca. 8km die ich in einem verbissenen Dauerwanderschritt einfach hinter mich bringen möchte, als ich auf freiem Feld auf einem Forstweg und im strömenden Regen einer jungen Dame begegne die mich tatsächlich bei der Gelegenheit fragt: "können sie mich fotografieren". Was ich selbstredend gerne tat. Als diese junge Dame mir auch noch eröffnete das Sie nach Marktoberdorf fährt - kann ich einfach nicht anders ich steige in das Auto und bringe die letzten Kilometer zügig und eingermaßen trocken hinter mich.

In Marktoberdorf komme ich zwar durchnässt aber einigermaßen fit um ca. 15:30 an und habe so einen schönen Nachmittag und Abend den ich in einer losen Folge von Cafes, Tees, Käsekuchen, Käsespatzen etc. höchst angenehm verbringe.

Erkenntnis des Tages: Mann muss die Dinge nehmen wie sie kommen.

Sonntag, 23. September 2007

Tag der Schmerzen: Von Rottenbuch nach Lechbruck


Die Strecke am 5. Tage führt mich von Rottenbuch über die Wieskirche und das Premer Moor nach Lechbruck.

Ausgelaugt vom Tag gestern und von einer sehr unruhigen Nacht, starte ich den Tag lustlos und ohne Leidenschaft. Leider muss ich auch feststellen, das der erste Schritt am Morgen genauso schmerzhaft ist als der letzte am Abend zuvor.

Die Wieskirche (übrigens ein UNESCO Weltkulturerbe) bietet den ersten willkommenen Anlass für eine Rast. Danach entscheide ich mich leider für die falsche Abzweigung, bzw. ich war mir unsicher welche Richtung ich einschlagen sollte und entschied mich einfach für eine Richtung anstatt Einheimische zu befragen oder nach anderen Infoquellen zu suchen. Nun, ich muss das nicht extra erwähnen - es war natürlich die falsche Entscheidung und so durfte ich trotz meiner Unlust und Schmerzen beim gehen zu meiner 26km Strecke auch noch einen Umweg von ca. 4 km hinzuadieren.

Gegen Abend besserte sich Gott sei Dank meine Laune - die Verfassung meiner Füße allerdings nicht. Ich gehe wie ein alter Mann und nur meine Stöcke haben mich überhaupt nach Lechbruck gebracht. In Lechbruck selbst musste ich feststellen das der erste Gasthof schon voll war und der zweite einen Ruhetag hatte. Der dritte zu dem mich gnädigerweise eine Dame aus dem Ort mit dem Auto fährt, verlasse ich für den Rest des Abends nicht mehr.

Fazit des Tages: Sich auf sein Bauchgefühl zu verlassen führt zwar auch zum Ziel, allerdings nicht immer auf direktem Wege.

4. Tag: Von Wessobrunn nach Rottenbuch


Endlich kann ich ein paar Tage am Stück wandern. Allerdings eine ganze Woche Zeit habe ich mir dann doch nicht genommmen, aber immerhin 4 Tage bis nach Kempten möchte ich gehen. Das sind etwas über 100km von Wessobrunn.

Erstmal muss ich bis Rottenbuch kommen. Der Rucksack ist gepackt - das Wetter großartig sonnig, die ersten 12 km bis zum Hohenpeisenperg vergehen wie im Flug.

Interessant übrigens wie die Fürbitten gläubiger Katholiken sich heute anhören. Einen kleinen Einblick konnte ich in einem Buch das in der Wallfahrtskirche auf dem Hohenpeißenberg auslag, erhalten: Neben zu erwartenden Bitten gegen Krankheiten, Alter etc. liest man hier auch Dinge wie: "liebe Maria bitte mach alle Mobilfunkmasten weg..."

Beim Abstieg vom Hohenpeisenberg muss ich leider feststellen, dass trotz neuer Schuhe das Bergabwandern eine relativ schmerzhafte Angelegenheit ist und ab km 15 melden sich auch heute wieder die ersten Druckstellen. Ein Fussbad in der folgenden Ammerschlucht bringt etwas Erholung. Apopro Ammerschlucht: Ein wirklich schönes Stück Gebirgflusslandschaft - vor allem der anschließende Wanderweg nach Rottenbuch war von bezaubernder Romantik. Bisher neben der Isar mein absolutes Naturhighlight auf der Tour.


Gegen 19 Uhr erreiche ich völlig erledigt endlich Rottenbuch. Quatiere mich in die erstbeste Pension ein (€ 30,- incl. Frühstück). Esse im Gasthof ein schweres Mahl und trinke 2 Bier dazu. Mehr war von diesem Abend nicht mehr zu erwarten.

Erkenntnis des Tages: Auch mit Hightech-Ausrüstung und neuen Schuhen, 26km bleiben anstrengend und vor allem gegen Abend kann ich keinen einzigen schmerzfreien Schritt mehr machen.